Tom Davies: „Jeder hat ein Brillengesicht”

Tom Davies stellt schon seit fünfzehn Jahren Brillen mit einer persönlichen Note her. Die Brillen sind ganz auf den Träger zugeschnitten.

Anlässlich des fünfzehnjährigen Bestehens und der Eröffnung des ersten Tom Davies-Werks in England organisierte er eine großartige Feier. Obwohl er noch inmitten der Vorbereitungen steckt, denn die Feier sollte eine Stunde später beginnen, erscheint der energische Designer am Tisch mit Eyeline Magazine für ein Gespräch.

Eyeline: „Jeder um uns herum ist ziemlich beschäftigt. Hast du selbst auch einen Beitrag zu den Vorbereitungen geleistet?“
Tom Davies: „Ich habe zum Glück ein sehr gutes Team von Menschen um mich herum, die sich um alles gekümmert haben. Ich durfte ihnen nicht ins Handwerk pfuschen. Um mich fernzuhalten, bin ich heute Mittag zum Friseur gegangen. Eigentlich sollte ich danach nach Hause gehen und dort warten, bis die Feier beginnt. Aber dazu ist es natürlich nicht gekommen. Sogar im Friseurstuhl habe ich telefoniert. Nach dem Friseurtermin bin ich sofort zum Werk zurückgekehrt.”

Eyeline: „Die Feier heute findet zum einen anlässlich der Eröffnung deines neuen Werks statt. Aber zum anderen, weil die Marke schon seit 15 Jahren besteht! Wie hat alles angefangen?”
Tom Davies: „Vor fünfzehn Jahren scherzte ich mit einem Journalisten der Financial Times. Ich sagte, dass ich großartige Brillen entwerfen würde und stellte ihm meinen Businessplan vor. Er fand die Idee so gut, dass er meine Geschichte in seiner Zeitung veröffentlichte. Das brachte meiner Arbeit jede Menge Publicity, was den Stein zum Rollen gebracht hat. Und jetzt… Jetzt sind wir 15 Jahre weiter und eröffnen unser erstes Werk in England!”

Eyeline: „Deine Brillen sind bekannt für ihre Exklusivität. Mit welchen Materialien arbeitest du gerne?”
Tom Davies: „Eines meiner bevorzugten Materialien ist Büffelhorn. Das ist ein sehr natürliches Produkt. Bei Büffelhorn handelt es sich nämlich um ein Restprodukt. Mit der Struktur lässt sich hervorragend arbeiten, aber es ist auch schwierig. Nicht jeder ist dazu in der Lage. Wenn es jedoch gelingt, erhält man ein wunderschönes und einzigartiges Produkt.“

Eyeline: „Die Leidenschaft lässt sich an den Gestellen ablesen. Wie erhältst du diese Leidenschaft fünfzehn Jahre lang aufrecht?
Tom Davies: „Ich finde es großartig, jemandem zu einer guten Brille zu verhelfen. Eine Brille ist nämlich das wichtigste Accessoire, das sofort auffällt, wenn man jemanden sieht. Menschen laufen oft mit billigen, schlechten Brillen herum, die überhaupt nicht zu ihnen passen. Das möchte ich gerne ändern. Es ist großartig, Menschen zu fotografieren, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und speziell für sie eine Brille zu entwerfen.”

Eyeline: „Welche Veränderungen haben in den letzten fünfzehn Jahren stattgefunden?”
Tom Davies: „Alles ist viel persönlicher geworden. Vor fünfzehn Jahren war ich einer der wenigen, der individuelle Brillen anbot. Heute gibt es viel mehr Anbieter. Es geht nicht mehr darum, welche Marke man trägt, sondern das Gestell muss zu einem passen.”

Eyeline: „Kannst du ein Beispiel dafür geben?”
Tom Davies: „Letztens sagte eine Frau zu mir, dass sie kein Gesicht für eine Brille hätte. Deshalb trug sie ausschließlich Kontaktlinsen. Aber weißt du was? Wirklich jeder hat ein Gesicht für eine Brille! Man muss sich einfach ein wenig die Zeit nehmen, um die Brille anzuprobieren und anzupassen. Und genau das findet nicht immer statt. Die Menschen kaufen in wenigen Minuten eine Brille online, die zudem total schief sitzt. Wenn man auf diese Weise an die Sache herangeht, ist eine Brille tatsächlich nicht schön. Aber wenn man eine Brille trägt, die speziell auf die Form der Augenbrauen und die Augenfarbe zugeschnitten ist, oder die den Konturen des Gesichts genau folgt, dann kann man mir nicht weismachen, dass eine Brille dir nicht steht.”

Eyeline: „Wie siehst du die nächsten fünfzehn Jahre für dich?”
Tom Davies: „Günstige Gestelle werden ziemlich beliebt sein. Die 3D-Drucktechnologie wird immer besser. Telefone werden ebenfalls immer besser. Jugendliche werden selbst am Telefon entwerfen können. Dieses Teil ist schön, dieses Teil auch und schwupps, für 15 bis 20 Euro haben sie ein Gestell. Eine Brille wird zu einem Wegwerfprodukt. In etwa zehn Jahren werden meine Kinder über ein Snapchat-Filter ihre neue Brille aussuchen.”

Eyeline: „Deine Kinder auch?“
Tom Davies, lacht: „Nicht wirklich. Meine Kinder werden selbstverständlich eine Brille von mir tragen“.

Mehr Informationen

www.tdtomdavies.com

Veröffentlicht am: 23-11-2017

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